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Mit dem Hausboot durch das Donaudelta

Donaudelta / Rundreise 25.08.2008 - 30.08.2008 / Reisebericht

Ende August dieses Jahres hatte ich die Gelegenheit, zusammen mit weiteren 9 Reiseanbietern und 10 Journalisten aus Norwegen, Belgien, Australien, Großbritannien, Schweiz, Österreich und Deutschland an einer sechstägigen Inforeise durch das rumänische Donaudelta teilzunehmen. Anlass dafür war das von der rumänischen Regierung und der Europäischen Union ins Leben gerufene Projekt „Donaudelta in Europa“, dessen deklariertes Ziel es ist, einen der außergewöhnlichsten und gleichzeitig fragilsten Naturräume Europas ins europäische Bewusstsein zu rücken.
 

Wassernüsse
 
 

Anreise, Sonntag, 24.08.2008

Mit einem Koffer und einem kleinen Rucksack am Bahnhof Hildesheim auf meinem IC nach Frankfurt Flughafen wartend, so begann meine abenteuerliche Reise, die für mich zu einem der unvergesslichsten Erlebnisse überhaupt werden sollte. Von Frankfurt ging es dann am nächsten Morgen weiter nach Amsterdam mit Weiterflug nach Bukarest.
 

Bukarest, Flughafen Otopeni, Montag, 25.08.2008

Als ich aus dem Flugzeug ausstieg, empfing mich eine ungewohnte Hitze von 30 Grad im Schatten. Solche Temperaturen war ich schon gar nicht mehr gewohnt, aber für Rumänien ist das im Sommer ganz normal. Ich konnte es kaum erwarten, mein Gepäck endlich in Empfang zu nehmen und dann Richtung Ausgang zu eilen, denn draußen wartete unser Reiseleiter Tiberiu Tioc schon ungeduldig auf die Reisegruppe.
 


 

 

Im Bus angekommen, der schon vor dem Flughafen auf uns wartete, wurden wir mit frischem Mineralwasser von Tibis nettem Kollegen versorgt, die Klimaanlage funktionierte bestens und wir fuhren endlich los. Bis zur Hafenstadt Tulcea, wo unser Hausboot auf uns wartete, mussten wir 290 km zurücklegen. Nach ca. 2 Stunden Fahrt legten wir eine kleine Erfrischungspause in Slobozia ein und aßen in einem kleinen Restaurant eine traditionelle rumänische Gemüsesuppe, Ciorba genannt. Mit Sahne verfeinert und mit grünen Pepperoni gewürzt schmeckt sie einfach köstlich. Nach 3 Stunden Fahrt kamen wir endlich gegen Abend in Tulcea an.
 


 

 

Das moderne Hausboot, unser Wohnsitz für die kommenden 5 Tage, verfügt über neun Doppelkabinen mit eigener Dusche und WC. Dazu gehören ein Restaurant, eine Bar und eine Sonnenterrasse. Alle Räume sind voll klimatisiert und mit wirkungsvollem Mückenschutz versehen. Wir wurden in zwei aneinandergebundene Hausboote einquartiert mit Platz für insgesamt 36 Personen.
 

Hausboot
 
Auf dem Letea Kanal
 

Es wurde schnell geduscht und dann ging es nach oben in den Speiseraum, wo ein üppig gedeckter Tisch auf uns wartete. 20 Paar hungrige Augen öffneten sich weit als sie die festliche Tafel sahen. Es wurde eine köstliche Fischsuppe serviert, die sich dem regen Beifall der anwesenden Tischgesellschaft erfreute. Die angeregten Diskussionen, die sich gerade entfacht hatten, wichen einer merkwürdigen Stille und wir genossen in vollen Zügen das Abendessen und anschließend den Rotwein, der, wie Tibi uns erzählte, aus den berühmten Weinreben Murfatlar stammt. Die Stunden vergingen schnell und es wurde ziemlich spät, ehe wir uns in unseren Kabinen zurückzogen. Während alle friedlich schliefen, fuhr das Boot, von einem Kutter gezogen, Richtung Maliuc, denn von dort aus sollte unsere Reise am nächsten Morgen starten.


 

Dienstag, 26.08.2008

Nach einem erholenden Schlaf und einem anschließenden, üppigen Frühstück an Bord, bereiteten wir uns an diesem Morgen auf unsere erste Erkundungsfahrt mit den Motorbooten durch das Delta vor. Schwimmwesten wurden in den kleinen Booten verstaut, Wasserflaschen als Proviant unter den Sitzen gelagert, Tibi gab noch den Fischern die uns begleiteten die letzten Anweisungen und dann ging es los. Wir waren alle gespannt, was wohl auf uns zukommt. Ganz neugierig beobachteten wir die außergewöhnliche Pflanzenwelt, die sich uns auf den beiden Ufern der Kanäle in voller Pracht entfaltete. Das landschaftliche Bild ist hier von endlos langen Schilfgürteln und unzähligen Schilfinseln geprägt, die Lebensraum und Unterschlupf für zahlreiche Tier- und Vogelarten bieten. Um uns herum summte und brummte es, es raschelte und es wisperte und wir drehten uns ständig neugierig nach links und nach rechts, um dieses einzigartige Spektakel, das sich uns darbot, ja nicht zu verpassen. Im Hintergrund hörten wir immer wieder die Rufe von Tibi: „Seeadler, Rallenreiher, Kormorane, rosa Pelikane“. Ohne ihn hätten wir mit Sicherheit manche Vögel ungeachtet an uns vorbeiziehen lassen.

Wir ernten Wassernüsse Fischer Gavril
 

Tiberiu Tioc, Tibi wie alle ihn nannten, ist ein begeisterter Naturliebhaber, der sich schon seit Jahren für die Erhaltung des Bioreservates Donaudelta einsetzt. Er ist Biologe und Präsident der Organisation „Naturfreunde Internationale“ in Rumänien. Tibi ist der Meinung, dass man die lokale Bevölkerung unterstützen muss, in dem man den Menschen dort offenbart, welche Möglichkeiten es gibt, einen ökologischen Tourismus zu praktizieren, ohne dabei das natürliche Gleichgewicht des Deltas zu zerstören. So bezieht er die Einheimischen in all seinen Reisetouren mit ein, sei es als Köche oder Personal an Bord des Hausbootes oder aber als Bootsfahrer durch die Kanäle. Dabei werden alle Lebensmittel, die für die Küche notwendig sind, nicht im Großhandel eingekauft, obwohl sie dadurch wesentlich billiger wären, sondern aus kleinen Läden oder sogar von einzelnen Gärtnern.
 

Ökologische Fischerfarm Kormorane

Familien bieten ihre Häuer für den Sommer als Feriendomizile an. Einfache, aber sauber eingerichtete Doppelzimmer mit Bad und Vollpension bieten dem Urlauber die Möglichkeit, einen unvergesslichen Urlaub im Delta zu erleben. Es wird nur Gemüse aus dem eigenen Garten zum Kochen verwendet und das Fleisch stammt aus der eigenen Viehzucht. Die Eigentümer besitzen auch kleine Motorboote, mit denen Sie auf Wunsch den Kunden täglich ins Delta fahren können. Die Vogelarten können sie den Gästen ebenfalls zeigen und erklären, denn das fachliche Wissen dafür haben sie von Tibi erlernt, der regelmäßig Kurse für Reiseleiter organisiert.

Damit signalisiert Tibi den Leuten, dass der sanfte Tourismus auch eine gute Einkommensquelle darstellen kann und widersetzt sich dadurch dem Massentourismus, der in der letzten Zeit, wäre er nicht rechtzeitig gestoppt worden, zu einer rapiden Degradierung des Deltas beigetragen hätte.

Wir erforschten an diesem Tag die Seen Sireasa, Garla Sontea, Crinjala, Fortuna und Martinca und waren überwältigt von der wilden Schönheit, die uns umgab. Hier und da machten die Fischer die brummenden Motoren aus und wir konnten der Stille lauschen und uns an den Anblick der weißen und gelben Seerosen erfreuen. Wir hatten alle die Kameras dabei und versuchten, so gut wie möglich all das zu fotografieren, in der Hoffnung dass wenigstens ein Bruchteil dieses uns umgebenden Zaubers auch auf den Fotos herüber kommt.

Neben mir im Boot saß Lise Foss, freelance Journalistin aus Norwegen. Wortlos betrachteten wir voller Bewunderung die kleine Seeroseninsel, die uns umgab und auf dessen Oberfläche sich winzige, kleine Frösche in der strahlenden Sonne wärmten. Klick, Klick, machte es im Sekundentakt und dann legte ich meine Kamera zur Seite. Ich konnte nicht mehr klar sehen, nicht weil etwa Wassertropfen die Sicht durch mein Kameraobjektiv getrübt hätten, sondern weil mir plötzlich Tränen des Glücks in die Augen schossen. Ich blickte verstohlen zu Lise rüber und sah, dass sie genauso ergriffen war wie ich. Später am Abend erzählten wir Tibi von unseren überwältigenden Gefühlen und er sagte nur: „Wer einmal im Donaudelta war, wird immer wieder zurückkehren“.

So schwer es uns auch fiel, wir kehrten gegen Mittag zurück an Bord, wo wir abermals von unserer Hausbootköchin Tuza mit leckeren Speisen verwöhnt wurden. Am Nachmittag unternahmen wir einen Spaziergang zu einer ehemaligen Fischerfarm in Maliuc. Kurz vor dem Eingang zur Farm, hatte sich jemand einen kleinen Schweinestall gebaut. Eine winzige Lehmhütte, mit Schilf bedeckt, bot Unterschlupf für drei kräftige, gesunde Schweine. Rechts daneben, ein alter Dacia, das bislang populärste Auto in Rumänien, welches allem Anschein nach seine besten Zeiten hinter sich gelassen hatte…….

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