Insel Cabrera

Ausflugstipp: Insel Cabrera

Die Insel Cabrera, 13 Kilometer vor der Südküste gelegen, ist ein Ort, an dem die Zeit still steht. Ihre Gewässer zählen zu den intaktesten und artenreichsten des ganzen Mittelmeers. Und die Insel selbst, als Nationalpark geschützt, gilt als ein Paradies für Naturliebhaber und Ornithologen. Ein Ausflug nach Cabrera mit dem Boot ist etwas ganz Besonderes: Eine Zeitreise in die Natur und in die Stille.

Kurz und knapp

Cabrera ist die größte Insel des gleichnamigen Archipels südlich Mallorcas. Groß ist bei gerade mal 15 Quadratkilometern relativ. Sie ist die einzige bewohnte der insgesamt 18 Archipel-Inseln. Die Gesamtheit ihrer Bewohner ließe sich allerdings in einem Kleinbus unterbringen: es sind nur 20. Sie leben alle in dem einzigen Ort der Insel Es Port, einem schönen, tief eingebuchteten Naturhafen.

Cabrera früher

Schon die Phönizier und Karthager betraten die Insel Cabrera. Nach ihnen kamen die Römer und mit ihnen der Naturforscher Plinius, der behauptete, Hannibal der Große sei auf der Insel geboren worden. Die Römer brachten auch die Ziegen mit, die der Insel ihren Namen gaben: Cabrera – Ziegeninsel. Vor einigen Jahren wurden diese Namensgeber aufs Festland evakuiert: Ihr Hunger auf Grünzeug nahm Überhand. Im 14. Jahrhundert, unter der Herrschaft Aragons, wurde über der schönen Bucht von Es Port ein Kastell gegen Piratenangriffe errichtet. Eine tragische Geschichtsepisode war die Internierung von Napoleons geschlagener Grande Armée auf der Insel. 12.000 Soldaten sollen hier dem Elend preisgegeben worden sein, viele tausende von ihnen verhungerten.

Ein Meer wie zu Odysseus‘ Zeiten

13 Kilometer ist Cabrera von Mallorca entfernt – und dennoch völlig abgelegen. Das Interesse an der Insel ist in den letzten Jahren erstarkt – aber strikte Umweltschutzauflagen schützen die paradiesische Natur Cabreras. Wenn Sie ein Meer erkunden wollen, wie es schon Odysseus unter dem Kiel gehabt haben muss, ist ein Ausflug nach Cabrera Pflicht. Der Respekt vor der Natur beginnt im Hafen der Insel, denn Boote dürfen nur an Landungsbojen befestigt werden: Kein Anker soll die kostbaren Neptungras-Felder am Meeresgrund stören, die über 200 Fischarten Heimat sind. Muränen, Zackenbarsche, Steckmuscheln, Delfine, Seeschildkröten, Korallen: Vor Cabrera finden Sie ein Tauch- und Schnorchelparadies mit Sichtweiten bis 50 Metern!

Cabrera
Cabrera (Foto © Photoart-Sicking – Fotolia.com)

Flora und Fauna über Wasser

Cabreras Landschaft ist karstig-mediterran. Hier wachsen Rosmarin, Wolfsmilch, Phönizischer Wacholder, wilde Ölbäume und Zitronenklee. Beeindruckend ist die riesige Anzahl über die Wege huschender Eidechsen. Einige Arten leben nur auf Cabrera. An den Klippen der Küste sind unter anderem Fischadler, Eleonorenfalken und Sturmtaucher zu beobachten. Cabrera gilt unter Ornithologen als das Gelobte Land.

Vergessen Sie auf keinen Fall Ihr Fernglas!

Aussicht vom Kastell
Aussicht vom Kastell (Foto © gudrun – Fotolia.com)

Sehenswürdigkeiten

Cabrera ist eine kleine Insel mit limitierten Besucherzahlen. Hier erscheint der Tourismus als eine geradezu familiäre Angelegenheit. Wenn Sie in Es Port das feste Land betreten, empfängt Sie ein Nationalpark-Wächter. Besucher werden registriert und bekommen interessante Informationen zu Entstehung und Pflege des Nationalparks vermittelt. Die Parkwächter begleiten Sie instruierend auf den Exkursionen über die Insel.

  • Serra de ses Figueres: Auf einer zweieinhalbstündigen Wanderung erreichen Sie die Südspitze der Insel: Hier steht der Leuchtturm L’Esional auf 50 Meter hohen Steilklippen mit einem weiten Blick übers Meer
  • Wanderungen zu den schönen Badebuchten Sa Plageta und S’Espalmador
  • 15minütiger Aufstieg zu den Ruinen des Kastells: In den Steinwänden sind die Inschriften französischer Gefangener zu entziffern, die hier im 19. Jahrhundert schmachten mussten. Neben dem Kastell befindet sich ein informatives Inselmuseum
  • Seemannsfriedhof und Denkmal: „Napoleons vergessene Soldaten“, jene Männer, die in der Internierung auf Cabrera gestorben sind, wurden auf einem Seemannsfriedhof beigesetzt. Ein Denkmal in der Inselmitte erinnert an diese unglückselige Zeit
  • Tauchen und Schnorcheln: Die Insel besitzt spektakuläre Unterwasserhöhlen und Unterwasserklippen, die bis zu 90 Meter tief abfallen. Auf Cabrera regnet es so gut wie nie, und es gibt keine Flüsse: Somit ist das Meer so gut wie frei von Sedimenten – die Unterwassersicht ist dadurch von fantastischer Qualität. Empfehlenswert sind die Tauchgebiete an der Punta de sa Corda und der Cala Galiota. Wenn Sie keinen Tauchschein besitzen, können Sie die einmalige Unterwasserwelt Cabreras mit dem Schnorchel erkunden: Riesige Fischschwärme durchkreuzen dank der intakten Meeresflora das klare Wasser
  • Cova Azul: Besonders faszinierend ist das Schnorcheln und Baden in der Cova Azul, der Blauen Grotte Cabreras. Das Schiff steuert auf der Rückfahrt tief in sie hinein und gibt Ihnen Gelegenheit, in das curacaoblaue Licht und Wasser dieses geheimnisvollen Ortes einzutauchen
  • Cabrera Visitor Centre: Das Besucherzentrum finden Sie nicht auf Cabrera, sondern in Colónia San Jordi im Süden Mallorcas, dem Abfahrtsort der meisten Schiffe nach Cabrera. Das intakte Ökosystem der Insel wird hier auf interaktiven Monitoren, in Videos und Aquarien dargestellt. Der Besuch des Zentrums ist kostenlos
Schiff vor Cabrera
Grotte (Foto © Castenoid – Fotolia.com)

Anreise: Inseltransfer

Die meisten Bootstouren nach Cabrera starten von Colonia de San Jordi. Mit der Flotte von Marcabrera setzen Sie innerhalb von 30 Minuten über. Von Porto Petro an der Südostküste Mallorcas gibt es eine 75minütige Fährverbindung nach Cabrera. Der Inselaufenthalt dauert vier Stunden. Nehmen Sie sich Verpflegung mit auf die Exkursion, denn das Nahrungs- und Getränkeangebot (eine kleine Bar in Es Port) ist begrenzt.

Übernachtungsmöglichkeiten gab es früher nur für Segler, die ihr privates Boot für eine oder mehrere Nächte im Hafen festmachen dürfen. Seit 2014 hat das spanische Umweltministerium zwölf Doppelzimmer in einem ehemaligen Militärgebäude für Übernachtungstouristen freigegeben. Hier können Sie in spartanisch eingerichtetem Ambiente noch tiefer in die paradiesische Abgeschiedenheit Cabreras eintauchen. Dabei müssen Sie sich nur an zwei Regeln halten, die auf der ganzen Insel gelten: Ruhe bewahren; und Respekt vor der Natur haben. Aber das fällt auf diesem herrlichen Stück Erde nicht schwer.

Artikelbild: © AlexanderNikiforov – Fotolia.com

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